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07|03|2011
Wo bleibt die Umgehungsstraße von Bascharage?
In der Bascharager Lokalpolitik gibt es viele Themen, über die gestritten werden kann und soll. Bei einem Thema jedoch sollten Mehrheits- und Oppositionsparteien an einem Strang ziehen: die Umgehungsstraße von Bascharage. Sie ist bitter notwendig, und nicht erst seit gestern!
Über ein viertel Jahrhundert wird bereits über eine Lösung des schwer auf dem Zentrum von Bascharage lastenden Verkehrsproblems diskutiert – ohne greifbaren Erfolg für die betroffenen Bürger, die einer zunehmenden Lärm- und Umweltbelastung ausgesetzt bleiben, während die auf nationaler Ebene verantwortlichen Politiker weiter tatenlos zusehen.
Die Gemeinde Bascharage und ihre Einwohner haben in der Vergangenheit auf nationaler Ebene immer wieder Verantwortung übernommen, selbst wenn andere Gemeinden sich geziert haben. Dem war so, als es in den 1970er Jahren darum ging, eine nationale Industriezone zu erschließen, genau wie in den 1980er Jahren, als die Umgehungsstraße von Petingen mitsamt „Collectrice du Sud" geplant wurde. Auch Ende der 1990er Jahre waren die Bürger von Bascharage und ihre kommunalen Vertreter bereit, ein größeres Einkaufszentrum aufzunehmen, als in anderen Gemeinden noch heftigst gegen einen Supermarkt Sturm gelaufen wurde.
Bascharage erstickt im Verkehr
Doch womit wurde dieser nationale Einsatz belohnt? Mit immer mehr Pkws und Lkws! Die „avenue de Luxembourg" (N5) avancierte seither zu einer der meistbefahrenen Straßen unseres Landes. Täglich winden sich fast 30.000 Pkws und 1.200 Lkws durch die Bascharager Hauptstraße. Hier lohnt ein Vergleich mit Junglinster: Die dort im Bau befindliche Umgehungsstraße weist mit 15.176 Pkws in etwa die Hälfte des Verkehrsaufkommens von Bascharage auf.[1]
In Bascharage wurden bereits etliche Trassen für die notwendige Umgehungsstraße geprüft. Vor zehn Jahren wurde eine Streckenführung zurückbehalten, die sich wahrscheinlich als die einzig Machbare erweist. Man muss sicherlich Verständnis dafür aufbringen, dass bei den Bürgern von Sanem wenig Begeisterung für die zuletzt zurückbehaltene Variante zu spüren ist, da die Trasse teilweise auf dem Gebiet ihrer Gemeinde und außerdem nahe an einzelnen Häusern entlang verläuft. Dennoch wäre es durchaus machbar, die geplante Umgehungsstraße so anzulegen, dass Anrainer wenig, wenn überhaupt gestört würden. Übrigens haben die Gemeindeverantwortlichen aus der Nachbargemeinde seit Bekanntwerden der aktuellen Streckenführung stets unterstrichen, dass sie sich auch ihrer regionalen Verantwortung bewusst sind.
Gesundheitliche Risiken und Folgeschäden
Befürchtet wird u.a., dass der Bau der Umgehungsstraße zusätzlichen Verkehr anziehen könnte und die Lebensqualität auf Sanemer Seite dadurch beeinträchtigt würde. Dieses Argument lässt sich nicht so einfach von der Hand weisen. Dennoch muss man bedenken, dass es beim wachsenden Verkehrsaufkommen in Bascharage und wegen der eingeengten Hauptstraße nicht allein um die Lebensqualität der Bürger, sondern auch und vor allem um deren Gesundheit geht. Es ist folglich auch eine Frage von nationaler Tragweite und Kompetenz: Immerhin steht die Volksgesundheit auf dem Spiel, wie einschlägige Studien zeigen.
Im Jahr 2000 hat die Gemeinde Bascharage eine Biomonitoringstudie erstellen lassen, die eindeutig belegt, dass Einwohner aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens in der Luxemburgerstraße und der zunehmenden Belastung durch Pkw-Abgase allmählich vergiftet werden. Auch eine zweite Studie aus dem Jahr 2004 bestätigt, dass die gemessenen Stickstoffdioxidwerte weit über den zulässigen europäischen Grenzwerten liegen. Auch die Benzolwerte liegen über den u.a. in Frankreich festgehaltenen Qualitätszielen zur Prävention und zum Schutz der Gesundheit.[2]
Eigentlich hätte der Bürgermeister von Bascharage angesichts dieser Befunde längst ein Fahrverbot für diese Straße verhängen müssen. Doch die Gemeindeverantwortlichen haben dem Staat vertraut, als dieser den Bau der Umgehungsstraße in Aussicht stellte.
Parteiübergreifender Konsens
Wenn die Einwohner von Bascharage also heute eine Umgehungsstraße fordern, dann tun sie dies nicht nur, weil sie durch ständigen Lärm belästigt werden und weil die „avenue de Luxembourg" zu den gefährlichsten Straßen des Landes zählt. Sie tun es vor allem auch, weil betroffene Einwohner zunehmend unter gesundheitlichen Problemen leiden. Dies erklärt auch, weshalb es in der oft kontrovers diskutierten Lokalpolitik von Bascharage einen parteiübergreifenden Konsens in dieser Frage gibt. Ja sogar „Déi Gréng", die sicherlich nicht dafür bekannt sind, neuen Straßenbauprojekten wohlwollend zu begegnen, haben sich klar und deutlich für den Bau einer Umgehungsstraße ausgesprochen.
Seit geraumer Zeit schreibt die Regierung jedes Jahr über 50 Millionen Euro für den Bau der dringend benötigten Umgehungsstraße ins Staatsbudget ein, doch es passiert nichts. Die bereitgestellten Kredite werden kaum genutzt, sie werden lediglich im darauffolgenden Jahr überschrieben.[3] Da der Bau der Umgehungsstraße unter staatliche Kompetenz fällt, bleiben den Lokalpolitikern weiterhin die Hände gebunden. Sie müssen sich damit begnügen, weitere Biomonitoringstudien in Auftrag zu geben, die ohnehin nur die Ergebnisse vorhergehender Studien bestätigen. Mit Blick auf die kommenden Gemeindewahlen werden sie vielleicht erneut eine Resolution im Gemeinderat verabschieden, die den sofortigen Bau der Umgehungsstraße fordert. Diese gutgemeinten Taten werden im „Nachhaltigkeitsministerium" aber wohl kaum für Aufregung sorgen.
Regierung muss Farbe bekennen
Was in Bascharage dringend gebraucht wird, ist ein geeintes Vorgehen aller politischen Fraktionen. Gemeinsam müssen sie mithilfe der Einwohner das einklagen, was ihnen seit Langem versprochen und bislang immer vorenthalten wurde. Mit der staatlichen Hinhaltetaktik muss endgültig Schluss sein. Wenn in Zukunft erneut von den Einwohnern aus Bascharage verlangt werden sollte, nationale Verantwortung zu übernehmen, dann müssen zuvor verbindliche und endgültige Zusagen her, was den Bau der Umgehungsstraße angeht.
Den Einwohnern von Bascharage reicht´s!
Yves Cruchten
LSAP-Gemeinderatsmitglied
[1] Quelle: pch.etat.lu (modélisation du trafic journalier moyen 2009)
[2] Quelle: Biomonitor, abschließender Bericht; April 2004
[3] Siehe Staatshaushalt (plan pluriannuel)
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